Das Leben in der Welt von Halvar und Iouna


Wenn man als Autor seine eigenen Welten erschafft, erschafft man mit ihnen Regeln und Unterschiede. So haben wir das auch gemacht, die nicht immer eins zu eins mit unserem Mittelalter konform gehen. Das liegt auch teils daran, dass uns bewusst war, dass wir keine Christen und Co. in unserer Zeit besitzen, die immerhin das Leben im Mittelalter gerade im mitteleuropäischen Bereich stark geprägt haben. Allerdings kann man auch nicht alles komplett ignorieren, wenn man sich an solch einer Zeit orientiert. Wir mussten uns also überlegen, wie wir was verwenden.  Rechte von Frauen, Sprache, Namen und Gesellschaftsregeln. Wir gehen davon aus, dass uns da ein solides Gleichgewicht gelungen ist. Zumindest sind wir zufrieden.

Hintergedanken bei der Namensgebung:
Wir haben zum größten Teil deutsche Namen verwendet – weniger Fantasienamen. Wir fanden das für unsere Welt einfach harmonischer.  Gerade im Süden der Welt sind die altdeutschen Namen sehr präsent.
Je höher man in den Norden von Mittland kommt, desto mehr verändern sich die Namen. Da haben wir uns an walisisch/irische Namen orientiert. Wir wollten einen Unterschied zwischen den Kulturen verdeutlichen und haben deshalb auch die Namen angepasst. Das war pure Geschmackssache, aber auch durch die reelle Lage der Länder bedingt.
Isvinter besticht deshalb durch nordische Namen. Wir dachten, damit kann man sich gerade im europäischen Raum gut identifizieren und es ist leichter zu merken.  Zudem mögen wir den Klang der Namen.
Funfact: Als wir nach Adelsnamen gesucht haben, bzw. uns etwas inspirieren lassen und das Urheberrecht nicht verletzen wollten, fiel uns der Name “von Kotze“ auf. Nachdem wir uns von unserem Lachflash erholt hatten, wurde so “von Kosse” geboren.

In Iounas Kultur ist es normal, dass sie gerade als Adlige die Vornamen ihrer Mutter und Großmutter noch zusätzlich trägt (Iouna Liv Hella), das gilt auch für ihre Brüder, die den Namen des Vaters und des Großvaters tragen. Allerdings werden die zusätzlichen Namen nur genannt, wenn man sie mit kompletten Titel direkt anspricht. Im vertrauten Umgang mit dem “du” wird nur der erste Name als der Rufname benutzt.

In Halvars Heimat tragen die Menschen die Endung -kin als Beinamen. Bei Halvar wäre das “Halvar Arnkin” (Sohn/Kind von Arn) da sein Vater Arn hieß. Bei Frauen leitet sich das dann vom Namen der Mutter ab. Zum Beispiel “Khyla Helenakin”, weil “Tochter/Kind” von Helena.
Bei Adligen folgen dann die Titel noch zusätzlich. Beispiel: Viktor Haraldkin av Skoverk (von Skoverk). Wobei bei diesen die Adelsnamen ausreichen, um sie von anderen zu unterscheiden, was bei der einfachen Bevölkerung nicht immer gegeben ist.
(Bei Halvar verändert sich das etwas, da er aufgrund seines vollständigen Namen nicht erkannt werden will. In seiner Heimat würde er aber mit dem “Arnkin” angesprochen werden bzw. würde es Halvar im Normalfall hinzufügen.)

Bei den Namen der Länder orientierten wir uns häufig an dem, was ein Mensch bevorzugt. Mittland z. B. mag ähnlich wie Isvinter nicht vor Fantasie strotzen, aber in der Realität haben die Menschen auch weniger frei erfundene Namen gewählt. Meist hat der Name einer Ortschaft oder eines Landkreises mit der Umgebung zu tun.  “Rodenbach” für eine gerodete Landschaft, “Friedberg” für eine Stadt mit Bergfried. Da sich Mittland in der Mitte des bekannten Bereiches der Menschen in unserem Buch befindet, wählten sie/wir diesen Namen als Überbegriff. Dabei mussten wir auch ein bisschen auf die “Sprache” der Kulturen in unserem Buch achten. Allerdings haben wir natürlich auch ab und an Städtenamen, die nichts mit dieser Orientierung zu tun haben. Ein bisschen Fantasy darf auch sein.

Der Johann-Johannes-Konflikt. Wer unser Buch kennt, wird merken, dass wir dort einen Johann und einen Johannes als Charaktere besitzen. Häufiger wurden wir darauf angesprochen, dass wir doch den Namen einer Charaktere ändern sollten, da sie zu ähnlich seien. Das haben wir absichtlich nie getan, da wir es für eine Welt viel authentischer fanden, wenn es auch mal Personen gibt, die ähnlich heißen – das kommt in der Realität immerhin auch vor. Allein Patrick und Jennifer kommen häufiger vor, und wir können jene auch nicht bitten, sich anders zu nennen.

Kulturelle Unterschiede:
Während im Süden von Mittland alles etwas klassisch nach dem Mittelalter läuft, aber auch Spuren der Renaissance und des Barock (Kleidungsstil und Ähnliches) zu finden sind, sind die Nordleute etwas anders. Anders als im Süden, genießen im Norden die Frauen ein höheres Ansehen und sind nicht nur Mittel zum Zweck. Zumindest unter der einfachen Bevölkerung, der Adel muss mehr den Gepflogenheiten der Mehrheit nachgeben. Da Athan, der Gott des Lebens, den Hauptgott der Nordleute darstellt, sind Frauen dort Lebensspenderinnen, was sie potenziell als “näher” an Gott dastehen lässt. Ihre Meinungen und Worte werden respektiert und innerhalb der Ehe und Familie geachtet. Sie gelten unter den Nordmännern als etwas, das beschützt und bewahrt werden muss. Deswegen besitzen auch adlige Nordleute weder Nebenfrauen noch Mätressen. Für sie ist eine Ehe eine rein monogame und verpflichtende Angelegenheit. Ehebruch wird mit dem Tod bestraft, egal, ob er vom Mann oder der Frau ausging, egal, ob es sich dabei um einen König oder Bauern handelt. Uneheliche Kinder werden in ganz Mittland als “Halbe” bezeichnet, da sie “nur” eine Mutter haben, aber kein Vater nachweisbar ist. Ein uneheliches Kind ist nicht gerne gesehen, da in Iounas Kultur es stets zwei braucht, um ein Leben zu erschaffen und zu formen. Die Verantwortung für Halbe obliegt der Mutter und deren Familie, wenn sich kein Mann zu dem Kind bekennt.

Im restlichen Mittland, wo die Nordleute nicht kulturell vertreten sind, ist es allerdings üblich, gerade als Herzog Mätressen zu besitzen und es mit der Treue nicht allzu ernst zu nehmen – solange man ein Mann ist.  Die Frauen sind dort den Männern untergeordnet. Liebesehen sind noch seltener als im Norden, allerdings gehen die meisten Männer trotzdem respektvoll mit ihren Ehefrauen um, gerade innerhalb des Adels, was nicht zuletzt an der Präsenz der angestellten Ritter liegt. Diese achten sehr darauf, dass Schwächeren (insbesondere Frauen und Kindern) nichts geschieht.    

In Isvinter sind die Verhältnisse wieder etwas anders. Dort kann ein Mann mehrere Frauen ehelichen, es gehört sogar zum guten Ton, mindestens zwei zu besitzen, wobei es nur eine Hauptfrau gibt, deren Kinder allein erbberechtigt sind. Alle anderen Kinder von den Nebenfrauen sind keine legitimen Erben, da es auch den Frauen offensteht, mehrere Neben-Ehemänner zu haben, solange sie keine Hauptfrauen sind. Ab da sind sie dazu verpflichtet, nur einem Ehemann treu zu sein. Daher kann ein Isvintari bei Nebenfrauen nie wissen, ob es seine Kinder oder die eines anderen Mannes sind. Deswegen besitzen die Kinder von Nebenfrauen auch nicht den Namenszusatz -kin, da ihre Herkunft nicht sicher abgeleitet werden kann. Sie werden als “Namenlose“ bezeichnet.

Anreden:
Da haben wir es simpel gehalten. Fremde in Mittland ihrzen sich, gerade Adlige bestehen darauf und ihrzen sogar die Angestellten an ihrem Hof.  Wenn man sich kennt, ist das Duzen geläufig. Das gilt innerhalb einer Familie oder auch unter Adligen. Es legt eine Freundschaft nahe.  Allerdings kann das Duzen zwischen Mann und Frau, wenn sie nicht miteinander verwandt oder verheiratet sind, schnell einmal dazu führen, dass jemand ihnen eine Affäre unterstellt.

In Isvinter gibt es bedingt durch die Sprache das Ihrzen nicht. Dort unterscheidet der Titel den Bauern vom König, ansonsten wird sich lediglich geduzt.